IEA: Subventionen bremsen erneuerbare Energie

Fossile Energieträger und ihr Verbrauch werden weltweit jährlich mit 550 Milliarden $ gefördert – mehr als das Vierfache dessen, was zur Stützung erneuerbarer Energieträger ausgegeben wird. Gäbe es diese Förderungen nicht, wäre grüne Energie schon viel weiter, meint die Internationale Energieagentur (IAE).

Wenn das Ziel erreicht werden soll, die globale Erwärmung auf ein Plus von zwei Grad zu beschränken, dann darf die Welt ab heuer insgesamt nur noch rund 1000 Gigatonnen an CO2 in die Luft blasen. Dieses gesamte Budget wird aber bereits bis 2040 ausgeschöpft, errechnet die Internationale Energieagentur (IEA) in ihre eben veröffentlichten World Energy Outlook, der seine Prognosen erstmals bis zu diese Datum ausdehnt. Erneuerbare Energieträger werden zwar vor allem in den Industriestaaten weiter an Bedeutung gewinnen, aber selbst hier bleiben erneuerbare Energien bis 2040 in ihrer Bedeutung weit hinter den fossilen Energieträgern.

Mit ein Grund dafür sind die hohen Subventionen, die für fossile Energie ausgeschüttet werden, meint die IEA. 2013 waren weltweit dafür 550 Milliarden $ aufgewendet worden – die allenthalben bekrittelte angeblich so hohen Förderungen für Erneuerbare beliefen sich nur auf 120 Milliarden $. Diese Subventionen in fossile Energie „verhindern Investitionen in Effizienz und in Erneuerbare“, heißt es in dem Bericht. So würden in Nahost täglich fast 2 Millionen Barrel an Öl und Ölprodukten für die Stromerzeugung verfeuert, obwohl die schon jetzt verfügbaren Technologien für erneuerbare Energien dort schon jetzt gegenüber Ölfeuerungen wettbewerbsfähig wären – wenn diese nicht hoch subventioniert würden.

Subventionen verlängern Amortisationszeit

In Saudi-Arabien, bringt der IEA-Bericht ein weiteres Schmankerl, würden sich die zusätzlichen Aufwendungen, die ein doppelt effizientes Auto kostet, bei den aktuellen Spritkosten erst nach 16 Jahren amortisieren – wäre Benzin nicht subventioniert, würde die Amortisationszeit durch den geringeren Spritverbrauch auf bloß drei Jahre schrumpfen.

Insbesondere in afrikanischen Staaten würden Subventionen eingesetzt, um Energie auch für breitere Bevölkerungsschichten verfügbar zu machen. In den Staaten südlich der Sahara haben ja zwei Drittel der Bevölkerung keinen Zugang zu einer regelmäßigen Stromversorgung, was ein gewaltiger Hemmschuh für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung darstellt. Allerdings haben auch die Subventionen bisher ihren Zweck verfehlt, größere Bevölkerungsgruppen an Energieversorgung anzuschließen – stattdessen verzerrt die günstig angebotene Energie den Markt und verhindere effizientere Nutzung und Investitionen in Erneuerbare.

Effizienzgewinne im Verkehr

Trotz allem wird der Stromverbrauch bis 2040 mehr zulegen als jede andere End-Energieform. Rund 7200 Gigawatt an neuer Kapazität muss dafür aufgebaut werden – nicht zuletzt, weil bis dahin rund 40 Prozent des derzeitigen Maschinenparks stillgelegt werden muss. Speziell in den Industriestaaten wird ein großer Teil dieser neuen Kapazitäten auf erneuerbare Energieträger ausgelegt sein – ohne jedoch die Kohle ganz verdrängen zu können. Stärkster Konkurrent ist Gas, für das sich in den kommenden knapp 30 Jahren immer mehr neue Anbieter finden werden.

Der Energieverbrauch für den Verkehr wird bei weitem nicht mehr so stark wachsen – nur noch um ein Viertel, obwohl sich die Kfz-Flotte weltweit mehr als verdoppeln wird. Mehr Effizienz senkt auch den zusätzlichen Ölbedarf um schätzungsweise 23 Millionen Barrel pro Tag – das entspricht etwa der aktuellen Produktion von Saudi-Arabien und Russland zusammen. Trotzdem wächst der Ölverbrauch munter weiter – wenn auch vor allem in den Schwellen- und Entwicklungsländern. „Für jedes Barrel Öl, das innerhalb der OECD weniger verbraucht wird kommen zwei dazu, die außerhalb der OECD benötigt werden“, heißt es im Bericht.

China überholt die USA

Global verschieben sich dadurch aber die Gewichte: Bereits in den frühen 2030ern wird China die USA als größter Ölverbraucher ablösen, auch Indien, Südostasien und das südliche Afrika kommen als Großabnehmer dazu. Das Wachstum des Ölverbrauchs halbiert sich dadurch ab etwa 2025 von derzeit zwei auf dann nur noch ein Prozent pro Jahr.

In Europa und den USA wird der Ölverbrauch dann nur noch stagnieren – was auch insofern gut ist, als die Ölquellen außerhalb der Opec bis dahin weitgehend versiegt sein werden. Der Schieferöl-Boom, der den USA derzeit noch billige Energie beschert und weltweit den Ölpreis drückt, wird bereits in den frühen 2020ern sein Ende finden. Zur Stillung ihres Öldurstes wird die Welt daher dann weitgehend auf Nahost angewiesen sein – und auf die politische Situation die dann in dieser bereits jetzt labilen Region herrschen wird.

Die Energie der Zukunft ist – abgesehen von Erneuerbaren und der Hebung von Effizienzpotenzialen – Gas, für das es praktisch überall außerhalb Europas neue Vorkommen (vor allem „unkonventionelle“) geben wird. „Die entscheidende Unsicherheit ist“, heißt es im Bericht, „ob das Gas zu Preisen verfügbar gemacht werden kann, die für die Konsumenten noch attraktiv sind und gleichzeitig ausreichend Anreize für die nötigen, sehr kapitalintensiven Investitionen in neue Förderstätten bieten.“

 

Quelle: Wirtschaftsblatt vom 13.11.2014